Artikel-Schlagworte: „piratenpartei“

Meine Piratenwoche KW 27/2011

Sonntag, 10. Juli 2011

KV Heilbronn

Für die Kreisverbandsgründung habe ich an weiteren, hauptsächlich organisatorischen Dingen gearbeitet. Unter anderem sind die Einladungen an die betroffenen Mitglieder und die Nachbarpiraten verschickt worden. Außerdem stehe ich in Kontakt mit den verwegenen Freibeutern Nati und Marco (vielen Dank auch hier nochmal!), die eine generische KV-Satzung gebastelt haben mit dem Ziel, typische Fehler zu vermeiden und eine solide Basis zu haben, auch wenn man keine Lust hat, ewig an Formalien und Details zu schrauben. Ihr Entwurf wird hoffentlich bald (nach Prüfung durch die AG RechtRechtsabteilung) soweit fertig sein, dass er an die Öffentlichkeit kann. Wenn alles nach Plan läuft (Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!), wird der KV Heilbronn dann die erste öffentliche Bewährungsprobe.

Nach dem nächsten Stammtisch werden wir dann auf einem Sondertreffen den Entwurf hoffentlich gut genug im Detail festklopfen können, um eine Satzung mit genügend Konsens im Hintergrund auf der Gründungsversammlung präsentieren zu können (Toi Toi Toi).

Verkehrswende Heilbronn

Montag abend war eine Informationsveranstaltung der Verkehrswende Heilbronn, bei der ich anwesend war. Themen waren unter anderem die neue Saarlandstraße und ihre Auswirkungen, sowie mögliche Modelle für die Allee.

Bei ersterem Punkt fand ich ein wenig schade, dass hier erstmal wild mit großen Prozentzahlen um sich geworfen wurde (offizielle Prognose: 40% Verkehrssteigerung auf der Saarlandstraße!!!!1 50% Verkehrssenkung in Klingenberg!!!!!!1). Wer ein wenig Ahnung von Prozentzahlen hat, kann schon ahnen, was hier mein Problem war. Denn als ich dann in der Fragerunde nachhakte, was das denn in absoluten Zahlen (oder von mir aus auch in absoluten prozentualen Steigerungen) ausmacht, kam vom Stadtrat Hasso Ehinger (LINKE) mit viel Text ausgeschmückt die kleinlaute Kernaussage: 3 bis 3,5%, eine Steigerung, die mich persönlich jetzt nicht so wirklich vom Hocker gehauen hat. Noch dazu muss man bedenken, dass hier Wohngebiete wie Frankenbach (ich habe lange genug in der Leintalstraße gewohnt, um zu wissen, dass da durchaus einiges an Verkehr durchfährt), Klingenberg und Böckingen (Großgartacher Straße) deutlich entlastet werden, während entlang der Saarlandstraße wenige bis keine Häuser direkt an der Straße gebaut sind. Als weiteres Argument kam das Krankenhaus Gesundbrunnen und dass dort die Patienten mit 40% mehr Autos vor dem Fenster dieselben anscheinend nicht mehr öffnen könnten. Auch das hielt ich nicht für sonderlich stichhaltig, sind doch einerseits sehr viele Fenster eben nicht direkt in Richtung Saarlandstraße ausgerichtet (und wenn, dann mit mindestens 50 Metern Entfernung und einigen Höhenmetern Unterschied) und andererseits ist die 4-spurige Straße auch jetzt schon nicht gerade eine verkehrsberuhigte Zone, sondern eher in Stoßzeiten vom Dauerstau geplagt. Ich habe übrigens Anfang des Jahres eine Woche dort im Klinikum verbracht, hatte auch ein Fenster “zur Straße” und vom Verkehr mitbekommen habe ich: Nichts.

Der andere große Punkt war die Allee. Dort steht bisher nur unumstößlich an Veränderungen fest, dass die Stadtbahn Nord am linken und rechten Straßenrand fahren wird. Die Verkehrswende schlägt nun vor, hier einen sogenannte Shared Space in der Mitte einzuführen. Eine bestechende Idee, die ich voll und ganz unterstützen kann, ist doch eigentlich die Allee wirklich nicht dafür prädestiniert, eine Durchgangsstraße zu sein. Schade fand ich, dass man sich für meinen Geschmack ein wenig zu sehr auf das Feinstaub-Argument fixiert hat. Nach Stand meines Wissens ist nämlich keinesfalls ausschließlich oder auch nur hauptsächlich der Verkehr für erhöhte Feinstaubwerte zuständig – Heizungen zum Beispiel sind hier auch Übeltäter. Ein weiteres plakatives Beispiel ist die manchen eventuell bekannte Stadt London, die durch die City-Maut den Verkehr um 30% verringert hat, aber keinen signifikanten Rückgang der Feinstaubmesswerte feststellen konnte. Meine Einwände diesbezüglich wurden dann allerdings recht erwartungsgemäß ohne großartiges Verständnis meiner Argumentation von besorgten Müttern[tm](c) unter anderem mit den großartigen “Begründungen” abgebügelt, dass ja viele Mütter ihre Kinder lieber mit dem Auto zum Park fahren, weil im Inneren des Wagens die Feinstaubbelastung niedriger sei (???) und die Krankenkassen Bewegung der armen Kinder fördert, damit dieselben gesünder sind (??????). Ich habe mir dann sicherheitshalber die Frage verkniffen, ob jemand im Raum an Homöopathie glaubt, die Argumentationsmuster kamen mir nämlich nur zu bekannt vor :)

Alles in allem fand ich die Zeit aber durchaus sinnvoll investiert und ich hoffe, mit ein wenig wissenschaftlich fundierterer Betrachtungsweise auch ein paar Gedankenimpulse gesetzt zu haben. Nächstes Mal bin ich dann sicherlich besser mit Daten und Fakten vorbereitet.

Bürgerportal

Donnerstag war wieder ein Treffen zum Bürgerportal zum Thema Design. Wir haben dann ganz traditionell auf Papier hingemalt, wie wir uns vorstellen, wie die Seite später mal aussehen könnte. Auch wenn man schon gemerkt hat, dass bei ein paar grundsätzlichen Ansichten die ursprünglichen Visionen nicht immer komplett übereingestimmt haben, denk ich doch, dass wir auf einem guten Weg sind und in nicht allzuferner Zukunft schon was Brauchbares vorzeigen können.

Geleitet hat das Treffen übrigens der großartige Alexplusplusplus und er hat sich auch bereiterklärt, bei Designfragen den Faden in die Hand zu nehmen. Großes Lob!

Meine Piratenwoche KW 26/2011

Sonntag, 3. Juli 2011

Letzte Woche schrieb ich ja wie angekündigt urlaubsbedingt nix. Auch diesmal ist der Text nicht allzulang, das muss er ja aber auch gar nicht zwingend sein :)

Kreisverband Heilbronn

Einiges an Zeit hat die Vorbereitung für den Kreisverband Heilbronn gefressen. Im Wesentlichen geht es da derzeit um Formalien, Terminabstimmungen und Orga-Zeug. Inzwischen stehen das Datum (23. Juli, 13:00 Uhr) und der Ort (K2acht). Die Einladungen für die Mitglieder und Nachbarpiraten sind auch soweit fertig und werden wohl demnächst auf den Weg gehen. Aber zu tun ist immer noch einiges, so will die Presse eingeladen werden, es muss ein Satzungsentwurf erarbeitet werden und auch sonst sind noch tausend weitere Kleinigkeiten zu tun…

Bürgerportal

Was Heilbronn fehlt ist eine unabhängige Quelle für Nachrichten, Informationen zu Gruppierungen und Initiativen oder sonstigen Themen. Die Arbeit der örtlichen Schmierfinken kann man üblicherweise völlig vergessen, die auf Totholzscheiben gebannte Irrelevanz pendelt meist zwischen Belanglosigkeiten und politisch vorgefärbter Hofberichterstattung.

Zeit, daran etwas zu ändern, so sind mehrere Piraten in die Planungen eingebunden, ein Bürgerportal zu schaffen, was helfen soll, diese Probleme zu entschärfen. So grob die Zielrichtung steht auch schon fest, aber in den nächsten Wochen wird sich da hoffentlich einiges tun, um auch mal die herumschwirrenden Ideen zu visualisieren, zu bündeln und die Marschrichtung zu definieren. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was da noch passieren wird und werde selbstverständlich auch meinen Teil dazu beitragen.

Meine Piratenwoche KW 23/2011

Sonntag, 12. Juni 2011

Aufgrund zeitraubender Aktivitäten (Arbyte, Duke Nukem Forever) nur ein Punkt :)

kino.to / Seriesly

Zum Fall kino.to ist ja schon einiges geschrieben worden, ich selbst bin in der Sache ein wenig zwiespältig. Einerseits hätt ich schon nix dagegen, wenn die Filmindustrie etwas anbieten würde, was ähnlich unkompliziert funktioniert, sei es nun werbefinanziert, mit Micropayment, einem Freemium-Modell (z.B. normaler Film kostenlos; HD-Auflösung, Surroundsound, Bonusmaterial, mehr Bandbreite… gegen Aufpreis) oder sonst wie – ist ja nicht so, als gäb es nicht genügend Möeglichkeiten, auch im Internet Geld zu verdienen. Was aber halt gar nicht geht, ist mit fremdem Content ohne entsprechende Lizenz Geld zu scheffeln und das, Gerüchten zufolge, nicht gerade wenig. Benutzt habe ich selbst kino.to übrigens nie, mir war das immer zu werbelastig und Filme/Serien hab ich lieber auf einer Festplatte oder DVD archiviert.

Was mir aber deutlich mehr auf den Senkel geht und was wegen deutlich weniger Nutzern vermutlich leider auch nicht groß an die Glocke gehängt wird: Seriesly ist auch erstmal wegen irgendwelchem asozialem Anwaltspack kaputt. Wer diesen Dienst nicht kannte: Dort konnte man sich komplett anonym anmelden, eine Liste der Lieblingsserien pflegen und als Ergebnis bekam man dann unter anderem einen Link zu einem Kalender (den man sich dann z.B. im Google-Kalender importieren konnte und so keine neue Serie mehr verpasst hat). Was es dann auch gab, war ein RSS-Feed, der einen dann nach Ausstrahlung mit Links zu entsprechenden Bittorrent-Dateien versorgt hat – ich gehe schwer davon aus, dass das der Grund für den einstweiligen Todesstoß war, auch wenn Seriesly meines Wissens keine der Torrent-Dateien selbst gehostet hat. Übrigens hab ich bisher noch nicht gehört, dass auch jemand wegen des Verbreitens (oder gar nur wegen Mithilfe zur Mithilfe zur Verbreitung) von aktuellen Serien Post vom Anwalt bekommen hat (bei DVD-Rips sieht die Sache ja wieder ein wenig anders aus).

Jedenfalls: Solange es (meines Wissens) trotz eines offensichtlich vorhandenen Marktes derzeit keine Möglichkeit für mich gibt, legal und zeitnah in Deutschland an Serien im O-Ton zu kommen, dürfen mich die Rechteinhaber mal gepflegt… öhm. Und ist ja nicht so, als würde in meinem DVD-Schrank nicht die eine oder andere Serien-DVD-Box vor sich hin stauben.

Meine Piratenwoche KW 22/2011

Sonntag, 5. Juni 2011

Um mal wieder ein wenig Leben hier ins Blog zu bringen, will ich versuchen, mehr oder weniger regelmäßig allgemein etwas über die Piraten zu schreiben. Momentan plane ich, so ungefähr wöchentlich zu einer handvoll Themen jeweils ein paar knappe Worte zu schreiben. Das kann jeweils der Versuch einer objektiven Beobachtung sein, aber auch ein Kommentar oder gar eine wilde Schimpferei. Ausdrücklich behalte ich mir vor, meine Meinung zu einzelnen Themen nach weiterem Nachdenken zu ändern. Außerdem ist das hier sowieso äußerst subjektiv und inwiefern ich es schaffe, regelmäßige Beiträge zu schreiben, mag ich auch nicht garantieren :)

Saftige Kumquat

Ein paar Piraten aus der Ecke um Mannheim haben sich die innerparteilich eingesetzte Software Liquid Feedback angeschaut und beschlossen, dass das mit dem derzeitigen Userinterface so mal sowas von überhaupt nicht geht. Piraten, die sich da mal eingeloggt haben, wissen warum. Und weil unkonstruktiv meckern zu einfach ist, hat man auch schon einen Twitter-Account und ein Blog angelegt, sowie schon grundsätzliche Ideen aufgeschrieben und angefangen, Mockups zu veröffentlichen. Weiter so, ich bin sehr gespannt, was da noch alles kommt.

Kompass

Für manche Piraten mag das schon aaaalt sein, aber ich hab nunmal erst jetzt die erste Ausgabe der piratennahen Zeitung Kompass in der Hand. Mein erster Eindruck ist nicht schlecht. Allerdings habe ich nach ein wenig Querlesen den Eindruck, dass es der Zeitung gut getan hätte, wenn da ein erfahrener Redakteur kompetent mit einem Rotstift die Texte deutlich gekürzt, sowie einige stilistische Schwächen ausgebessert hätte. Auch dass zwei Artikel in dreispaltigem Layout und der Rest der Zeitung vierspaltig gehalten ist, hat mich ein wenig irritiert. Aber das sind sicherlich nur Anlaufschwierigkeiten eines an und für sich sehr tollen Projektes.

Landesparteitag Baden-Württemberg

Samstag nach längerer Pause hab ich mal wieder einen Parteitag besucht (mein voriger war der BPT in Bingen). In Kehl, kurz vor Fronkreisch, wurde am 4. Juni also auf dem Landesparteitag 2011.1 hauptsächlich ein neuer Landesvorstand gewählt. Zumindest mit relevant großen Anteilen des neuen Landesvorstandes kann ich sehr gut leben, aber warum der Landesparteitag ausgerechnet jemanden zum Politischen Geschäftsführer gewählt hat, der in der jüngeren Vergangenheit dadurch aufgefallen ist mit Anlauf und Arschbombe in ein braunes Fettnäpfchen zu hüpfen, das mag mir die Weisheit der Massen nochmal bei einem Bierchen erklären. Aber gut, drücken wir halt die Daumen, dass das solche Peinlichkeiten nicht auch mit offiziellem Mandat vorkommen.

Landesparteitag Thüringen

Auch in Erfurt fand am 4. Juni ein Landesparteitag statt. Die einzige Entscheidung, die ich hier kommentieren will (und was mir spontan heftig die Hand vors Gesicht trieb), war die Abschaltung der Landesinstanz von Liquid Feedback. Man kann die Argumentation des Antrags ja zwar schon irgendwie nachvollziehen, ich halte es trotzdem für einen schlechten Weg, nach nur einem Jahr das Tool einfach abzuschalten, ohne gleichzeitig eine brauchbare Alternative für die Programmentwicklung anzubieten. Noch dazu, wenn mit der oben erwähnten Saftigen Kumquat in nicht allzufernen Zukunft durchaus gute Impulse in Richtung Benutzbarkeit kommen können.

CreWho

Offenbar bin ich nun tatsächlich Mitglied in einer Piratencrew! Und als erste Amtshandlung werde ich nun erstmal aufhören, hier ins Blog zu schreiben und anfangen, einen leider nicht ganz so kleinen Stapel von noch nicht geschauten Folgen des britischen Science-Fiction-Dauerbrenners Doctor Who abzubauen.

Piratenrelevante Vorträge auf dem 27c3

Montag, 3. Januar 2011

Der 27C3 ist vorbei und langsam aber sicher kommen die ersten Releases der Vortragsvideos an. Deshalb möchte ich hier eine Liste von ein paar empfehlenswerten politischeren Talks sammeln. Von nicht allen hier genannten Vorträgen gibt es schon Downloads, aber erfahrungsgemäß dürfte das in ein paar Tagen anders aussehen.

Den Anfang machen die Vorträge, die ich schon sah, für gut befand und deshalb jetzt schon empfehlen kann:

Dann kann ich noch 3 weitere, eher unpolitischere Vorträge empfehlen:

Und nun noch einige Vorträge, die ich leider noch nicht sehen konnte (und deren Qualität ich nicht garantieren mag). Ich schaue, dass ich dieses Blogposting bei Gelegenheit aktualisieren werde.

Zuerst der Themenkomplex Wikileaks/Whistleblowing (die ersten 3 Vorträge werden vermutlich schon taugen, vom 4. hab ich bisher noch nix positives oder negatives gehört):

Und noch unsortiert ein paar weitere Vorträge, die sich lohnen könnten:

Wissen und die Politik

Montag, 12. Juli 2010

Nachdem ich im letzten Beitrag hier ein wenig versucht habe zu erleuchten, wie Wissen überhaupt funktioniert, will ich nun konkrete Auswirkungen des Ganzen betrachten.

Noch ein paar Worte Allgemeingeschwafel

Man hat sich die Wissenschaft also ausgedacht, um wegzukommen vom individuellen Erfahrungsbericht und um bei allgemeingültigeren Aussagen zu landen. Nur weil einmal jemand einen schweren Unfall überlebt hat, folgt noch lange nicht, dass jeder jeden schweren Unfall überlebt. Das klingt jetzt im Zweifel mal wieder banal, aber da steckt eine Wahrheit dahinter, die beispielsweise von Anhängern der Komplementär”medizin” gerne ignoriert wird (Jeder, der schonmal mit Homöopathiegläubigen diskutiert hat, wird das vermeintliche Argument “Du kannst sagen, was du willst, MIR hats geholfen” nur zu gut kennen). Und wer die Meinung vertritt, dass das mit der Alternativen “Medizin” ja nicht so wild sei, der soll bitte einfach mal kurz tief in die Abgründe der Esoteriker schauen (Achtung, da kann einem durchaus schlecht werden!) und mir dann bitte versuchen zu erzählen, warum es sich hier nicht um eine äußerst übelerregende Art der Körperverletzung Schutzbefohlener handeln soll. Aber ich schweife ab.

Jedenfalls: Meist hängt das Ergebnis einer Folge von Aktionen nicht nur von einer einzigen Ursache ab. Deshalb versucht die Wissenschaft, diese einzelnen Faktoren zu isolieren, einzeln zu verstehen und sie dann wieder zusammenzusetzen. Dieses Zusammensetzen ist oftmals auch nicht gerade einfach, da zum Beispiel durch Feedback-Mechanismen recht leicht eine große Komplexität entstehen kann. Physiker können zwar die Bahnen von zwei großen umeinander kreisenden Körpern berechnen, aber setzt man sie vor drei solche Objekte (oder gar noch mehr), dann kratzen sie sich am Kopf, auch wenn der grundsätzliche Mechanismus dahinter schon verstanden zu sein scheint.

Raus mir der Sprache, was hat das mit Piraten zu tun?

“Wir sind nicht links oder rechts, wir sind vorne.”
“Wir wollen keine ideologische Lösung, wir wollen die beste Lösung.”

Je weiter wir in der Kette von der “reinen” Mathematik wegwandern, desto mehr kommt Intuition ins Spiel und desto diffuser wird das, was wir zu Wissen glauben. Betrachten wir nochmal schnell die Kette aus dem letzten Blogeintrag, wie die Wissenschaften grob aufeinander aufbauen:

Logik -> Mathematik -> Physik -> Chemie -> Biologie -> Medizin -> Neurologie -> Soziologie -> Politik

Eine richtig faire Betrachtung ist diese Vereinfachung (wie ich auch schon angemerkt habe) natürlich nicht. Das soll jetzt aber mal nix zur Sache tun, denn was bemerkenswert ist: Wenn man sich von links nach rechts weiterhangelt, wird es irgendwie immer verschwommener, was hauptsächlich an den bereits angesprochenen Feedback-Mechanismen und Komplexitätsproblemen liegt. Auch wenn DNS grundsätzlich chemischen Prinzipien gehorcht, entsteht hier doch durch den Kontext deutlich mehr. Und je weiter wir in der Kette nach rechts wandern, desto größer werden diese Effekte und desto mehr verstärken sie sich selbst oder bauen gar aufeinander auf.

Wenn man sich exemplarisch mal die Wirtschaftspolitik herausgreift, fällt es eben echt schwer, wissenschaftliche Prinzipien anzuwenden, weil es meistens schlicht und ergreifend nicht funktioniert, einzelne Aspekte für größere Störungen alleine verantwortlich zu machen. Es mag sein, dass der Zins an und für sich ein grundsätzlicher Fehler unseres Wirtschaftssystems ist. Es mag auch sein, dass ein paar Monate lang das Wörgler Freigeld, was den Zinseffekt im Wesentlichen umgedreht hat, einen örtlich begrenzten Erfolg gefeiert hat. Aber daraus den Schluss zu ziehen, dass das auf größerer Ebene genauso gut und vor allem auch nachhaltig funktioniert, ist eine recht blauäugige und weltfremde Vermutung.

Weiteres Paradebeispiel: Das Bedingungslose Grundeinkommen. Leider, leider von einer Mehrheit der Piraten des letzten Bundesparteitages für “klingt gut, also wolln wir das irgendwie!” beschieden worden. Hier sieht man den ersten Schritt, die Vorteile, die es für einen selbst bringt, sieht auch Vorteile fürs soziale Gewissen und den Bürokratieabbau und feiert das Modell als einzig Seligmachende Wahrheit. Dass das Modell einen Schritt weitergedacht grandios scheitert, darüber wird meist nichtmal nachgedacht, die schnellen Vorteile überwiegen ja. Ein kleiner Denkanstoß an dieser Stelle: Aus viel freiem Geld folgt auch viel Inflation. Man möge den Gedanken weiterspinnen und sich dabei nicht zu oft im Kreis drehen.

Dazu kommt: Das Finanzwesen wurde von Menschen geschaffen. Und das nicht auf einen Schlag, sondern nach und nach, viele Effekte haben sich erst mit der Zeit rauskristallisiert. Die Frage ist eventuell nicht, wie die beste Lösung für ein gegebenes Problem ist, sondern ob es überhaupt eine beste Lösung gibt. Ich halte die Vermutung nicht für völlig weit hergeholt, dass das Finanzsystem grundsätzlich so chaotisch und auf so vielen sich gegenseitig bedingenden, verstärkenden und/oder abschwächenden Effekten beruht, dass es keine ganzheitliche Theorie dafür geben kann.

Deshalb meine Vermutung: Es gibt keine beste Lösung der Finanzkrise. Es gibt Ansätze zum Verzögern, es gibt Ideen für den Totalumbruch. Aber dabei möge man bitte auch bedenken, dass das Finanzsystem in der derzeitigen grundsätzlichen Form schon wirklich alt ist, sich die meiste Zeit auch irgendwie bewährt hat und entgegen aller Unkerei auch schon die eine oder andere Krise überstanden hat. Und ob Alternativmodelle sich dann ähnlich bewähren, das hängt äußerst stark auch vom menschlichen Faktor ab.

Also doch wieder Ideologie?

Ein großer Vorteil der Piraten ist ja, dass man sich wenigstens überhaupt irgendwelche Gedanken macht. Vergleicht man das mit der “alternativlosen” Politik der derzeitigen Bundesreagierung, kann das ja nur ein Fortschritt sein (und ich vermute, dass dieser Satz auch in 10, 20 30, … Jahren so aktuell sein wird wie nie).

Klar, man hat sich auf die Fahnen geschrieben, irgendwie “fairness” (was auch immer das bedeutet) und Freiheit bieten zu wollen. Aber genau das versprichen auch schon die SPD, die FDP  und die Linkspartei mal mehr, mal weniger glaubwürdig. Als Ideologiefrei würde ich das allerdings nicht bezeichnen, weshalb ich die oben erwähnten Sprüche auch eher für Lebenslügen denn als ernsthafte Aussagen zur Politik der Piratenpartei halte. Und warum die Versprechen der Piratenpartei per se erstmal glaubwürdiger sein soll, als die der etablierten Parteien, auf die Antwort wartet nicht nur der mündige Wähler [sic!] gespannt.

Was aber auf jeden Fall derzeit noch sehr arg fehlt: Ein Taschenrechner. Wenn ich das Wahlprogramm für die Anfang 2011 anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg anschaue, dann fällt mir auf, dass da zwar mal hier, mal da was gefordert wird, was teilweise irgendwie gut klingt, was sich teilweise auch mal selbst widerspricht oder was gelegentlich auch mal offensichtlich seltsamer Unsinn ist (Auf das Wahlprogramm will ich später nochmal genauer eingehen) – der rote Faden, der sich allerdings durchzieht, ist der fehlende Finanzierungsaspekt. Wohlgemerkt verlange ich nicht, dass ein kompletter Haushaltplan für das Land erstellt wird. Aber eine ungefähre Abschätzung der Größenordnung der Kosten oder Zusatzeinnahmen, die bei den einzelnen Punkten entstehen würden (soweit absehbar), wäre zumindest mal ein Anfang und, wie ich finde, eigentlich auch Voraussetzung bevor man sowas zur Abstimmung stellt oder gar mit großer Mehrheit annimmt.

Aber ich vermute, das wäre unpiratisch.

Leserbrief an die Heilbronner Stimme

Donnerstag, 3. Juni 2010

Zum Artikel: “Aufregung um Kamera-Quad” (1.6.2010)

Da fährt ein von der Stadt beauftragtes Gefährt durch die Gegend, um Straßenschäden zu dokumentieren und der HSt fällt nichts besseres ein, als die diffuse Angst der Bevölkerung vor dem angeblich so bösen Google StreetView zu schüren.

Anstatt zum Beispiel die großen Datenkraken Bertelsmann, GEZ, Payback, ELENA oder wie sie alle heißen, einer ähnlich kritischen Berichterstattung zu unterziehen, wird hier nicht gerade subtil Politik gemacht. Man hat Google durch entsprechende Berichterstattung als großen, dunklen Bösewicht positioniert, lenkt von anderen Problematiken ab und stellt sich selbst als Datenschützer dar.

Dass im kommenden Jahr eine Volkszählung stattfinden soll, das wurde 2010 satte 2 Mal in der HSt erwähnt. Beim Zensus 2011 wird eklatant gegen das 1983 ausformulierte Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung verstoßen und teils hochsensible Daten werden zusammengetragen – zum Beispiel komplette Datensätze von Teilnehmern in Zeugenschutzprogrammen mit entsprechendem Hinweis! All das wird nicht thematisiert, sondern ignoriert und totgeschwiegen.

Aber gut, dann müssen eben ein weiteres Mal junge politische Kräfte wie der AK Zensus oder die Piratenpartei auf die Straßen gehen und die Informationsarbeit machen, bei der die sich gern als “traditionell” bezeichnenden Medien bisher so kläglichst versagt haben.

#bpt10 #epic #fail. Vorschläge für die Zukunft.

Sonntag, 16. Mai 2010

Es war für vorausschauende Beobachter leider nicht sonderlich überraschend, aber das, was die Piratenpartei da zum Bundesparteitag veranstaltet hat, war absolut peinlich. Wirklich.

Kurz zum Hintergrund: Ungefähr 1000 Piraten haben sich am 15. und 16. Mai 2010 in Bingen getroffen und den Plan gehabt, einen Bundesvorstand (bestehend aus dem Vorsitzendem nebst Stellvertreter, einem Schatzmeister und 4 Beisitzern), diverse andere Posten (Schiedsgericht, Kassenprüfer) zu wählen, sowie auch Fehler und Probleme in der Satzung auszubügeln, sowie Themenarbeit zu leisten, um eventuell irgendwann mal das Label “Ein-Themen-Partei” loszuwerden.

Der Bundesparteitag war insofern zukunftsweisend, da er der erste war, der nach dem massiven Mitgliederzuwachs im Rahmen der Europa- und Bundestagswahl 2009 war. Vorher gab es bundesweit ca. 1000 Piraten, inzwischen hat sich die Mitgliederzahl bei knapp über 12000 eingependelt.

Ursprünglich waren im Zeitplan für die kompletten Vorstandswahlen der Samstag von 13:30 – 17:00 vorgesehen. Tatsächlich beendet war sie am Sonntag um 14:45, mit knapp 10 Sitzungsstunden Verspätung trotz einiger wiedergewählten Vorstände. Im Endeffekt wurden außer den Formalien der Wahlen noch satte 2 (in Worten: ZWEI!) Programmergänzungsanträge verabschiedet – einer zu Open Source Software und einer zu mehr Demokratie. Zugegeben, es wurden noch eine Handvoll eher symbolischer Anträge erfolgreich abgestimmt (der Beitritt zur Pirate Party International, sowie die Ernennung der Jungen Piraten zur offiziellen Jugendorganisation), sowie ein (eventuell? hoffentlich!) zukunftsweisender Antrag zur bundesweiten Einführung eines Liquid-Democracy-Systems. Aber das war es dann leider auch schon im Wesentlichen.

Einigen “Schuldigen” war und ist es vermutlich bewusst, aber vielen ist es auch noch nicht so ganz klar, was warum wie fsahcl gelaufen ist und vor allem, was in Zukunft besser gemacht werden kann (und in meinen Augen sogar muss, um irgendwelche Chance zu haben, je politisch ernstgenommen zu werden).

An welchen Punkten muss man meiner Meinung nach ansetzen, um etwas zu ändern? Zwei Hauptschuldige meine ich ausgemacht zu haben:

1. Die Geschäftsordnung

Eine kurze Suche durch das Protokoll ergibt 251 Zeilen, die den Begriff “GO-Antrag” enthalten (kurzer, äußerst grober Überschlag: Wenn jeder GO-Antrag nur 20 Sekunden verschluckt hat, summiert sich die Zeit, bei angenommenen 200 solchen Anträgen auf über eine Stunde). Am Ende wurde den Vertretern des Kernprogramms (den sogenannten “Kernis”) vorgeworfen, die Diskussion um programmatische Anträge durch viele und sinnlose GO-Anträge verschleppt zu haben. Das mag so auch stimmen, allerdings darf man nicht aus den Augen verlieren, dass für das eigentlich zukunftsweisende Programm am Ende der Veranstaltung durch vorherige exzessive Frage- und Antwort-Sessions an Vorstandskandidaten weniger als eine Stunde Zeit war.

Noch dazu hat nicht geholfen, dass vieles, was als GO-Antrag deklariert und deshalb vorgezogen wurde, teilweise vermutlich wissentlich, aber oft auch unabsichtlich schlicht und ergreifend eine Meinungsäußerung und/oder ein ungültiger GO-Antrag war. Liebe Piraten, wenn ihr schon meint, unbedingt beide Hände hochreißen zu müssen, wenn euch irgendwas gegen den Strich läuft, dann lest euch doch bitte vorher die Geschäftsordnung durch, da steht nämlich ziemlich im Klartext drin, ob und wie das dann auch formal korrekt geschehen kann. Und mehrere, konkurrierende GO-Anträge, die alle das vermeintliche Ziel haben, irgendetwas zu beschleunigen, fressen im Zweifel mehr Zeit, als das Ursprungsvorhaben eigentlich gekostet hätte.

Was kann man hier tun?

Nunja, 2 Ansätze fallen mir ein: Entweder man schränkt die möglichen GO-Anträge sehr massiv ein und gibt an der Stelle der Sitzungsleitung mehr Kompetenzen, oder man sanktioniert “trollige” GO-Anträge (die man an Ablehnung mit großer Mehrheit zu erkennen versuchen kann) in irgendeiner Art. Persönlich würde ich ersteres deutlich präferieren, da hier auf den gesunden Menschenverstand der Sitzungsleitung gebaut wird und ich solche “weichen” Lösungen immer für besser halte. Der mögliche Austausch der Versammlungs- und/oder Wahlleitung durch das Plenum sollte hier natürlich gewährleistet sein, aber ich sehe nicht ein, warum z.B. über maximale Redezeiten oder das Schließen der Rednerliste nicht die Versammlungsleitung in eigenem Ermessen bestimmen dürfen sollte.

2. Die Vorlaufzeit von Bewerbungen für Ämter

Spontane Bewerbungen für Posten innerhalb des Bundesvorstandes mögen zu Zeiten sinnvoll gewesen sein, als man nicht sicher war, ob man überhaupt genügend Leute zusammenbekommt. Aber von dieser Situation sind wir nun weit entfernt.

Wenn ein Mensch sich zutraut und willens ist, deutlich über 10.000 Piraten nach innen und außen repräsentieren zu wollen, dann kann, nein MUSS er oder sie das gefälligst auch im Vorfeld mitteilen. Wie lange vorher, darüber kann man diskutieren, aber ein Zeitraum irgendwo zwischen 3 Monaten und zwei Wochen vorher fühlt sich für mich richtig an. Bewerbungen aus Bier-, Schnaps- oder Mate-Laune heraus sollten wir uns nicht mehr leisten wollen und ist in meinen Augen auch ein Schlag ins Gesicht der Piraten, die sich auf einen Bundesparteitag vorbereiten. Denn gute Vorbereitung sollte belohnt und schlechte Vorbereitung sanktioniert werden (zumindest funktional) – nicht andersrum, wie es derzeit geschieht: Ich will gar nicht wissen, wie viele Mannstunden im Vorfeld des BPT ins Durcharbeiten der nicht behandelten Satzungsanträge verbrannt worden sind.

Als direkte Konsequenz aus der vorzeitigen Bewerbung sollten dann die derzeit stattfindenden Frage- und Antwortspielchen auf dem BPT komplett durch ein von mir aus auch verpflichtendes Abgeordnetenwatch-ähnliches System im Vorfeld ersetzt werden. Auf dem Parteitag selbst sollte dann ein Statement jedes Kandidaten (mit begrenzter Redezeit) völlig ausreichen, um die Nicht-Vorbereiter nicht komplett ins kalte Wasser zu werfen, aber das muss dann auch ausreichen.

Fazit

Sollte tatsächlich noch ein zweiter, rein programmatischer Parteitag stattfinden, dürfen wir die Chance nicht verpassen, an den empfindlichen, schlecht skalierenden Stellen nachzubessern. Denn die bei den Piraten gelebte Basisdemokratie ist zwar schon ein feines Prinzip, das ich auf den niedrigeren Ebenen nicht missen mag, aber eine Veranstaltung mit 1000 Anwesenden bietet mit den derzeitigen GO- und Satzungs-Mitteln einfach viel zu viele Angriffsstellen für beabsichtigte und versehentliche Denial-of-Service-Angriffe.

Ein paar Gedanken zum Bildungsteil des Ludwigsburger Wahlprogrammvorschlags

Sonntag, 28. März 2010

[Vorweg: Alle Links, Zitate und Anmerkungen beziehen sich auf die Version vom 28. März 2010, 04:26 Uhr]

Der Ludwigsburger Piratenstammtisch hat sich die letzten Wochen zusammengesetzt und einen Vorschlag für ein Wahlprogramm für die 2011 anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg erarbeitet.

Warum man nicht lieber die Arbeit der AG Landespolitik BW unterstützt hat, um doppelte Arbeit zu vermeiden, hat mir bisher auch noch niemand erklären können, ohne mit trotzigem Aufstampfen zu reagieren – mein persönliches Begründungshighlight kam von einer dort mitarbeitenden Piratin, dass sie ja nicht jeder an den Terminen der Klausurtagungen Zeit hätte. Applaus ist hier angebracht.

Gut – wäre hier jetzt ein komplett sinnvolles Werk mit rotem Faden herausgefallen, wär das ja alles halb so schlimm. Aber ein paar Worte von mir als potentiellem Landtagskandidaten zu ausgewählten Punkten, die dort unter “Bildung” laufen, will ich mir nicht verkneifen.

Schulen demokratisieren

Selbstbestimmung der Schule durch das Lehrerkollegium und Mitbestimmungsrecht der Schüler schafft faire Machtstrukturen.

An die demokratischen Entscheidungen des Kollegiums ist auch der Rektor gebunden. Die Schülermitverwaltung muss in Schülermitbestimmung umgestaltet werden, um eine Teilhabe an Entscheidungen zu ermöglichen. Bestehende Gesetze und Bildungspläne müssen selbstverständlich weiterhin eingehalten werden.

Inwiefern das Kollegium gegenüber dem Rektor stärker gestellt sein sollte, kann ich nicht abschätzen, man sollte hier aber auf jeden Fall bedenken, dass Lehrerzimmer im Allgemeinen eher keine intrigenfreie Zone sind. Oft ist die Hackordnung recht klar und nicht unwesentlich durch das Beamtengesetz geprägt.

Was mich hier eher interessieren würde, wo und bei was die Schüler mitentscheiden sollten.

Attention, students, this is Principal Skinner, your principal, with a message from the principal’s office. Report immediately for an assembly in the Butthead Memorial Auditorium. [to himself] Damn it, I wish we hadn’t let the students name that one.

The Simpsons – 2F05 – Lisa on Ice

Man kann das drehen, wenden, nichtgutfinden wie man will, aber Schüler sind im Allgemeinen Kinder und auch noch so viel Verantwortung wird einen 15-jährigen nicht am Kichern hindern, wenn er das Wort “Tittenmaus” hört. Natürlich: demokratische Verantwortung muss man lernen, aber man muss hier sehr vorsichtig sein, nicht zu weit zu gehen. Ich erinnere mich an meine Schulzeit zurück, wo wir Schüler demokratisch über den Namen eines an die Schule gespendeten Baumes entscheiden sollten. Der Name “Röntgengerät” war, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, am Ende zumindest ganz oben mit dabei. Noch weiter zu gehen und Schüler über Dinge mitentscheiden zu lassen, die am Ende noch wesentliche Kosten verursachen können, ist hier hoffentlich nicht nur für mich indiskutabel.

Gemeinsamer Unterricht von 1. bis 9. Klasse durch Gemeinschaftsschulsystem

Statt des dreigliedrigen Schulsystems sollen Schüler ohne Selektion miteinander und voneinander lernen.

Die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems muss in Schritten, aber ausnahmslos stattfinden, unabhängig von der Schulform und Region. Behinderte Schüler sind durch die Umsetzung der UN-Behindertenkonvention zu integrieren. Alle Schüler lernen gemeinsam und solidarisch bis zum Ende der neunten Klasse. Die individuelle Förderung der Schüler steht durch Differenzierung im Unterricht und bei der Umsetzung der Lehrpläne im Vordergrund. Leistungsdruck und Schulstress verringern sich, Schüler sind aus Freude am Wissen und Lernen motiviert. Ein Schulabschluss ist nach der neunten, zehnten oder mit Abitur nach der zwölften Klasse möglich. Ab der zehnten Klasse findet der Unterricht im für die Sekundarstufe II bewährten Kurssystem statt.

Dieser Absatz scheint direkt aus einem Paralleluniversum zu stammen. Und zwar aus dem, wo auch der Kommunismus funktioniert, weil alle Menschen gleich sind.

Kinder sind und bleiben unterschiedlich schlau, lernen unterschiedlich schnell und sind unterschiedlich begabt. Jeder Vorschlag, der diese grundsätzlichen Wahrheiten durch gutmenschliches Geschwafel wortreich wegzudefinieren versucht, ist absolut, völligst, zu 100% indiskutabel. Die schlaueren Schüler würden durch Langeweile extrem demotiviert, die weniger schlauen Schüler würden im Zweifelsfall nicht ordentlich mitkommen und durch daraus folgende schlechte Ergebnisse ebenso demotiviert.

Lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, wenn ich vermute, dass dieser Vorschlag von jemandem gemacht wurde, der noch nie Praxiserfahrung als Lehrkraft an einer Schule gemacht hat? Ich tippe auf eine 21-jährige Philosophie-, Soziologie- oder Pädagogikstudentin…

Das Wahlprogramm NRW ist hier an dieser Stelle übrigens in meinen Augen schon sehr viel weiter. Dort ist zwar vor allem die Finanzierungsfrage bzw. ob sich der Aufwand lohnen könnte, eher ungeklärt, aber durch ein konsequentes Kurssystem zeigt es zumindest in eine prinzipiell realistisch umsetzbare und visionäre Richtung.

Notengebung erst ab der siebten Klasse

Spaß am Lernen statt Konkurrenzdenken und individuelle Rückmeldung statt Demotivation durch Notenvergabe.

Finnland hat es erfolgreich vorgemacht. Da Noten erst ab der 7. Klasse vergeben werden, entsteht kein Konkurrenzdruck unter den Schülern, was ihrer Lernleistung zu Gute kommt. Jeder Schüler bekommt eine ausformulierte konstruktiv-informierende Bewertung, die sich an seinen Möglichkeiten orientiert und ihn in seinen Leistungen fördert.

Eine Folgeforderung könnte hier dann ein absoluter Kündigungsschutz für Lehrlinge sein, um die armen, zarten Pflänzchen beim Einstieg in die Berufswelt nicht zu überfordern.

Will sagen: Wer meint, sein Kind sei zu instabil um mit dem Notendruck klarzukommen, darf es gerne nach wie vor an eine Waldorfschule schicken. Aber ich möchte für meine (momentan imaginären) Kinder gerne die Wahl haben, ob ich ihnen diesen anthroposophischen und in meinen Augen weltfremden Blödsinn zumuten mag oder nicht. Und weiterhin bin ich der Meinung, dass Waldorfpädagogik, wenn überhaupt, die Ausnahme sein sollte und keinesfalls die Regel.

Ach ja, und allgemein: Das Wort “Finnland” hat in einer Begründung für eine Schulreform nichts verloren. Hier lauert wieder die alte Falle vom Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation, die wir Piraten den anderen Parteien nur zu gerne (und das zu Recht) um die Ohren hauen.

Mehr Nutzung von freier Software und freien Inhalten

Freie Software ist kostengünstiger für Schulen und Eltern. Der Zugang ist damit in jedem Haushalt mit Computer gesichert.

Obwohl Lernmittelfreiheit besteht, wälzen Schulen Kosten auf Eltern und Schüler um, zum Beispiel bei der Anschaffung von Atlanten. Die Nutzung von freien bzw. kostenlosen Online-Angeboten und Software spart diese Kosten ohne Nachteile für die Schüler.

Die Lernmittelfreiheit ist ein sehr guter Punkt, der auf jeden Fall im Landesprogramm erwähnt werden sollte, aber das Beispiel hier ist nicht ganz so toll gewählt. Ein Buch aufzuschlagen und darin zu blättern, ist einfach ein ganz anderes Erlebnis, als wenn ich auf der Wikipedia oder in Google Maps und Konsorten umhersurfe.

So, das soll es einstweilen gewesen sein. Sollten mir noch weitere Gedanken kommen, nachdem ich den Rest des Wahlprogrammvorschlags gelesen habe, werde ich nicht zögern, diese hier zu veröffentlichen.

Zwischendurch eine kleine Lobhudelei für die Free! Music! Week!: Ey Lou Flynn #37cc

Montag, 8. März 2010

Irgendwie schließt sich der Kreis ein wenig, die Musikpiraten haben mich auf den Künstler gebracht und nun benutze ich sie, um mit meinem leicht ungelenk anmutenden Review von Ey Lous Erstlingswerk wieder ein wenig platonische Liebe zurückzugeben. Tolles Ding, dieses Internet, nichtwahr?

Begonnen hat es, als ich im Herbst 2009 den Free! Music! Sampler! auf mein getreues Billig-MP3-Werbegeschenk-Abspielgerät holte. Anlass waren meine zarten ersten Überlegungen, mal wieder mit Freunden in Heidelberg ein kleines Festival namens “Rock im Feld” zu veranstalten, nur diesmal, im Gegensatz zu früher, absolut GEMA-frei und komplett mit freier Musik. Ein Lied auf dem Sampler stach aus der Masse raus und blieb im Gehörgang kleben, das war das Laternenlied von Ey Lou Flynn. Als ich dann bei Jamendo weiter in die Richtung grub, stieß ich recht fix auf sein Album “Naja, ich hab mein Bestes gegeben” und spätestens nach dem Afghanen im Opener Muuh! war ich am Haken.

Ehrenwort, gute Musik verdient Unterstützung, also hab ich das Album recht fix auch gekauft (inzwischen kann man es sich auch vom Maestro persönlich parfümiert schenken lassen) und selbstverständlich meinen Bekannten- und Verwandtenkreis auch aktiviert und dabei auch schon eine gute Handvoll neue Fans generiert.

Ey Lou Flynn beschreibt seine Musik als “Klingt wie platonische Liebe beim Seitensprung”. Das klang vor dem ersten Hören zwar schon irgendwie seltsam, danach fällt mir allerdings keine bessere Beschreibung ein. Liebe Leser (Ihr beiden da hinten im Eck, ihr seid gemeint!), wenn ihr einen Sinn für Humor habt, dann bleibt euch quasi gar nichts anderes übrig, als Ey Lou zu hören und Ey Lou zu lieben! Mehr kann und will ich über das Album und die diversen weiteren Songs hier gar nicht schreiben, da jeder Versuch meinerseits, die geballte Kreativität in Worte zu fassen, nur mir einer Horde heulender Kleinkinder enden kann.

Der Kreis schließt sich natürlich nicht so komplett, ich werde nach wie vor die neusten Eskapaden (wie zum Beispiel in letzter Zeit ein Behind-The-Scenes-Bericht des neusten Musikvideos) verfolgen, die neue Musik hören, die neuen Alben kaufen und in ein paar Jahren, wenn der Ey Lou Flynn das Münchener Olympiastadion füllt, stolz den jungen Dingern meine Erstauflage der ersten CD vorzeigen und mit verträumtem Blick von Früher[tm](c) erzählen.

Ey Lou Flynn – mach weiter so. Ich hätte gern soviel Kreativität und Sinn fürs Texten und Komponieren, wie du alleine vermutlich im kleinen Finger der linken Hand hast, das würd mir dann vermutlich schon absolut ausreichen.